Sonntag, 15. Februar 2009

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Der plötzliche Energieabfall hatte doch eine banale Erklärung: Ein Virus, der – wie schon in vielen Jahren – dazu führte, daß die Bloggerin die letzten Tage des Festivals auf dem heimischen Sofa verbringen musste. Berlinale-Filme gucken kann man man da schlecht, aber wenigstens die Preisverleihung beobachten. Als Forums- und Retro-Parteigängerin, die nur einen einzigen Wettbewerbsfilm („Storm“, und da war eigentlich nur die Leistung von Kerry Fox bärenwürdig) gesehen hat, kann ich beim Meckern nicht richtig mitreden, es scheint aber, als hätte die Jury ihr Dilemma - keinen wirklich herausragenden Films zu haben – doch ganz passabel gelöst. Auf jeden Fall ist es großartig, daß auf der Bühne des Berlinale-Palastes erstmals in Quechua gesprochen und gesungen (!) wurde, unübersetzt. Ein Zeichen für die immer stärkere Präsenz der indigenen Völker auch im kulturellen Bereich, auch wenn Regisseurin Claudia Llosa selbst der weißen Mittelschicht Perus entstammt. An einer deutschen Übersetzung der Sätze wird auf privater Initiative gearbeitet. Das Ergebnis wird, wenn es vorliegt nud die Seite noch offen ist, hier verlautbart.

Donnerstag, 12. Februar 2009

im tiefen tal

Taldepression statt Bergfest. Kein Sitzfleisch mehr, und das scheint nicht nur mir so zu gehen.Eine Hektik in den Kinos! Vielleicht liegt das an den vielen Filmen mit Überlänge. Und im Forums-Pressekino im CX 5 sind dieses Jahr angeblich erstmals auch Marktleute zugelassen. Stimmt das? Es würde erklären, weshalb hier regelmäßig in den ersten zwanzig Minuten ein Drittel des Publikums verschwindet, wenn es keine Action gibt. Bei der Bloggerin selbst auch daran, dass erstmal die Pflichten erledigt sind.

Wachsender Unmut bei vielen Kolleginnen über die Einlassprobleme für Akkkreditierte, die es dieses Jahr zum erstenmal auch beim Forum gab. Kein Wunder: Gestern die Meldung aus dem Berlinale-Büro, daß die Zahl der verkauften Tickets zur Halbzeit schon über dem Vorjahresstand lag.

Bei mir immer noch Ärger über den Winterbottom, auch wenn der schon ein paar Tage her ist: So sensationalistisch und oberflächlich, aus Naomi Kleins doch einigermaßen reflektierter und auch wohlbegründeter Argumentation hat er sich zielsicher die Momente rausgesucht, wo es am lautesten zischt und kracht auf der Leinwand. Aber diese Seite ist eine gute Möglichkeit, sich abzureagieren, wenn einem sonst niemand zuhören will. Vielleicht ist es ja auch ihr hauptsächlicher Zweck? Ob es wirklich jemand gibt, der während der Berlinale so viel überflüssige Zeit hat, dass er oder sie über die Berlinale liest? Eigentlich kaum vorstellbar.

Ein kleiner Nachschlag zur Defa-Diskussion heute im Publikumsgespräch mit Rainer Simon und Team nach seinem 1981er-Regalfilm „Jadup und Boel“, der auch zwanzig Jahre nach seiner späten Uraufführung 1988 mit bösem Witz und unerwarteter Frische überzeugt. Rundum Begeisterung, zu Recht, auch die ehemaligen Kinderdarsteller von damaals waren da. Als gegen Ende des Gesprächs aus dem Publikumm die Anmerkung kam, der Film sei doch auch ein schönes Gegenargument zu Schlöndorffs von der Zuschauerin nicht ganz richtig zitiertem Diktum vom dummen DEFA-Film, sagte Rainer Simon nur, man müsse nicht auf alles antworten. Und wenn ein blöder Wessi Unsinn über die DEFA erzähle, sei das sicher keiner Reaktion wert.

In die Berge führt vielleicht der schönste Film meiner Berlinale, der Schaf- und Schäferfilm "Sweetgrass" (Forum). Aber das - keineswegs romantische - Schäferleben, das der Film beschreibt, ist schon Vergangenheit. siehe "Food Inc". Unglaublich, wie die Kamera mitten im Gewühl der Herde mitwirbelt. Leider ist die technische Qualität im Cinemax 5 ziemlich lausig.

Mittwoch, 11. Februar 2009

neue kinos

Heute mittag meine persönliche Premiere im Friedrichstadtpalast: Zum Film selbst, Hans-Christian Schmids "Storm" wurde wohl alles notwendige schon oft genug geäußert, deshalb hier nur ein kleine Vorstellung des jüngsten Berlinale-Kinos: Dreißig Minuten vor Vorstellungsbeginn (Sonntagsmatinee) eine riesige Menschentraube auf
der Friedrichstraße, aber noch kein Einlass. Drinnen etwas verstaubte 80er-Jahre-Pracht, die 1800 Plätze (an beiden Seiten sind Partien wohl wegen zu schlechter Sichtverhältnisse ganz abgesperrt) sind
leider mindestens so eng wie im Berlinale-Palast, um einiges härter und zu einem recht großen Teil zu nah oder versetzt zur Leinwand. Nichts also
für Klaustrophoben, Menschenscheue und Kreuzkranke. Und auch der Ausgang über die Hintertreppe ist
ähnlich langwierig und drängelig. Beim Einlass mit Pressekarte wird routinemäßig die Akkreditierung verlangt. Keine echte Alternative zum
Marlene-Dietrich-Platz leider.

Ein Entdeckung dagegen das Colosseum, meine zweite Berlinalekino-Premiere heute: Entspannte Stimmung, rechtzeitiger Einlass,
freundliches Personal, bequeme Sitze und genug Beinfreiheit, um sich auf
den Film zu konzentrieren (vielleicht sollte man sein Programm in
Zukunft eher nach dem Kino ausrichten als umgekehrt). Und der Film - „Kashmir – Journey to Freedom“ von Udi Aloni (Panorama) – ist sicher kein cineastisches Meisterwerk, offeriert aber eine manchmal etwas chaotisch geschnittene doch überzeugend subjektiv gefärbte und dennoch informative Begegnung mit einer lebendigen Unabhängigkeitsbewegung, die nach einer frühen militanten Periode versucht, jetzt mit einer gewaltlosen Basisbewegung eine eigenständige und multireligiöse Stimme der mehrheitlich muslimischen Region im harten Machtkampf zwischen Indien und Pakistan zu werden. Die internationalen Medien interessiert das leider wenig, so lange kein fernsehsichtbares Blut fließt, meint Regisseur Udi Aloni. Und die indische Regierung setzt alles daran, Öffentlichkeit zu verhindern und hat eine erneute Einreise des israelischen Regisseurs verhindert. So war es fast eine perfekte Ergänzung des Films, als bei der anschließenden Diskussion als erstes ein hinduistischer Ex-Kaschmiri das Wort ergriff und Aloni polemisch indirekt der Parteinahme für den muslimischen Terrorismus bezichtigte.
SHallensleben - 9. Feb, 02:34

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Von Krisenstimmung in puncto Publikumsinteresse (leider) wirklich keine Spur: Die Fülle in den Kinos ist noch einmal spürbar gestiegen und grenzt allzu oft an Überlastung: Bei drei Vorstellungen bin ich heute nicht reingekommen, obwohl ich mich mindestens zwanzig Minuten vor Beginn in die Warteschlangen eingereiht hatte. Das ist ein Berlinale-Novum. Andere berichten von ähnlichen Erfahrungen. Das macht das bisher für einigermaßen gutakkreditierte Besucher doch eher unkomplizierte Festival deutlich anstrengender, spontanes Kinohopping wird praktisch unmöglich. Nur das Presse-Karten-Kontigent für den Friedrichstadtpalast scheint noch unerschöpflich. So kann ich mir morgen dort überraschenderweise doch noch „Storm“ anschauen, den ich wegen dringender Schreibverpflichtungen verpasst hatte.

Im Forum gibt es mit „Mental“, „Ne me liberez pas, je m'en charge“ von Fabienne Godet und „Defamation“ weitere starke Dokumentarfilme; das scheint - jedenfalls in der Erinnerung - schon jetzt mehr als im gesamten letzten Jahr. Oder sinkt einfach die Erwartungshaltung? Und dann war da noch eine überraschende Entdeckung: „Generasi Biru/ The Blue Generation“ aus Indonesien, ein Film über und mit der indonesischen Rockformation „Slank“ mit bizarren Musical-Einlagen, kruden Animationen, krasser politischer Botschaft und einem ebenso süßlichem wie harten Sound. Vielleicht kein wirklich herausragender Film. Doch ein faszinierendes Exemplar der leider immer rarer werden Spezies von nicht für ein US-europäisches Festivalpublikum gemachten/gedachten Filme aus Nicht-US-Europa, der mit ungewöhnlich originärer Filmsprache überrascht. Ein uneingeweihter westlicher Zuschauer versteht höchstens ein Drittel der angesprochenen Themenkomplexe und Zusammenhänge. In einer auch ästhetisch konformistischen Welt ist das ein anregender Reiz. Indonesische Popkultur live: Mir jedenfalls scheint das spannender als das nächste ethnografische Naturdrama aus der Mongolei.

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Ein bisschen beängstigend sind die Textmengen schon, die manche Kollegen hier in den letzten Tagen abgeliefert haben, während ich noch Kilos von Material zu Hause sortierte und über diversen Pflichttexten brütete. Woher haben die bloß ihre Energie?

Besonders aktiv waren die Rechercheure von Spiegel Online, die schon vor über eine Woche (am 27.1.) den ersten Berlinale-"Eklat" annocierten, weil am Stand einer Vereinigung iranisch-europäischer Filmemacher vor der Eröffnungspressekonferenz in einem Flugblatt die Absetzung Dieter Kosslicks wegen pro­-iranischer Aktivitäten gefordert wurde. Stein des Anstoßes war der Forums-Film „Letter to the President“, dem eine pro-ahmedinedschadische propagandistische Haltung vorgeworfen wurde. Wer den Film gesehenhat, und er ist sehenswert, weiß das das absurd ist. Ganz im Gegenteil: Die Dokumentation des Regisseurs Petr Lom versucht sich relativ erfolgreich an der kritischen Analsyse totalitärer Propagandamechanismen, die den edelmütigen Präsident gegen die Schergen auf unteren Ebenen ausspielt, à la „Wenn das der Führer wüsste!“. Eine krasse Fehlinterpretation also: Die iranisch-europäischen Filmemacher müssen entweder eine sehr deformierte Art haben, Filme zu gucken oder sie haben „Letters to the President“ gar nicht gesehen. Und Spiegel Online hat eine winzigen Maus zum Eklatanten aufgeblasen.

Ein anderer empfehlenswerter Forumsfilm kommt heute ins Delphi. Simon El Habres „The One Man Village“ erzählt von den Wunden, die Bürgerkriege in die Zukunft reißen und von einem Mann, der sich ihnen stellt. Der Ort ist das Libanon-Gebirge über Beirut. Der Mann ist Semaan, Onkel des jungen libanesischen Regisseurs, der als einziger der Großfamilie in dem kriegszerstören Dorf zurückgeblieben ist. So trotz er der allgegenwärtigen Verdrängung. Doch er ist nicht ganz allein und teilt sein Leben mit einigen Kühen und anderem Getier. Außerdem ist der charimsatische Mann immer noch auf der Suche nach einer Frau. Näherkommen kann man ihm jetzt in Berlin, denn Simon El Habre und sein Onkel sind beide angereist, um den Film vorzustellen.

Dienstag, 10. Februar 2009

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Heute nach Harun Farockis “Zum Vergleich“ im Delphi: Das Gespräch, zwischen deutscher Moderatorin und deutschem Filmemacher, lief auf englisch, wer weiß warum. Es war kein schlechtes Gespräch zu einem schönen Film. Irgendwann, Farocki hatte sich gerade bei der US-amerikanischen Filmemacherin Barbara Hammer zu einem „very good reading“ eines Details seines Films bedankt, meldete sich ein Zuschauer, der seit vielen Jahrzehnten in der kommunalen Filmarbeit Deutschland mitmischt, mit einer Sprachkritik (auf Deutsch). Beim Filmegucken ginge es doch immer noch um das „Sehen“ und nicht um „Lesen“ und Farocki solle mal seine Wortwahl bedenken, und überhaupt gebe es auch viel zu viel Filmkritik nach der einzige wahren Frieda Grafe. Farocki dankt bissig und entschuldigt sich mit einiger Selbstironie (auf Englisch) mit dem Hinweis auf die ungewollte Anpassung an den Slang von „american academia“. Der Film selbst ist so großartig wie simpel.

Abends dann Kosslicks Lieblingsfilm, „Food Inc.“ im Cubix: Das ist „We feed the world“ auf Amerikanisch. Oder, anders gesagt, „An unconvenient truth“ zur Nahrungsindustrie. Sehr faktenreich, sehr informativ, nur etwas nervig aufgemacht in puncto Musikeinsatz und Erzählerstimme. Aber für die gute Sache sollte man das in diesem Fall vermutlich akzeptieren: Anschließend möchte man gleich die nächste klinarische Widerstandsgruppe gründen.

Dies sei zum Anlass genommen, um noch einmal auf den harschen Widerspruch von Kosslicks Engagement in puncto 'kulinarisches Kino' und der Tatsache hinzuweisen, dass es am Potsdamer Platz keinen einzige Ort gibt, wo man schnell und einigermaßen bezahlbar eine gesunde und sättigende Mahlzeit bekommt, nicht mal ein Falafel. (Oder bin ich die einzige, die den Geheimtipp in diese rSache nicht kennt?) Ein anständiger preiswerter Berlinale-Imbiss statt filmbegleitender Fünf-Gänge-Menüs für 40 Euro, wäre das nicht etwas? Aber vielleicht sollte man die Sache für nächstes Jahr einfach selbst in die Hand nehmen. Salate und Suppen in Selbsthilfe im Zelt auf dem Potsdamer Platz.
SHallensleben - 10. Feb, 10:03
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Stefan Hoeltgen - 10. Feb, 10:48
Mein Tipp:
In den Arkaden, in der ersten Etage befindet sich ein "Sportcafé", in dem täglich für 7 Euro Zugang zum Frühstücksbüffet herrscht. Kaffee so viel man möchte und tatsächlich gesunde Sachen zum Essen. Dazu kann man von oben die Warteschlange der armen Ticket-Käufer bewundern.

Wohl bekomm's!

Donnerstag, 5. Februar 2009

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hallensleben

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